Locarno - Kaminfeger bringen bekanntlich Glück. Doch die über tausend «Men in Black», die am Wochenende zum 30. internationalen Kaminfegertreffen im Vigezzo-Tal erwartet werden, gedenken vorab der traurigen Vergangenheit ihrer Branche.

Lisa Tetzner setzte diesen Kindern in ihrem Buch «Die schwarzen Brüder» ein literarisches Denkmal. Obwohl es sich dabei um einen Roman handelt, gibt das darin erzählte Geschehen laut historischen Untersuchungen getreulich das traurige Schicksal wieder, wie es im Laufe der Jahre Tausende von Tessiner Knaben zu erleiden hatten.
Eltern aus den ärmsten Gegenden sahen sich gezwungen, ihre Kinder nach Oberitalien zu verdingen. Begehrt waren die kleinsten und magersten Knaben, für die es leicht war, die engen Kamine hochzusteigen und dabei mit einer Raspel den Russ abzukratzen.
Die «Padroni» bezahlten den Eltern oft bloss ein besseres Trinkgeld. Viele willigten dennoch ein, weil sie so während den kargen Wintermonaten ein Maul weniger stopfen mussten.
Verbot erst ab 1873
Als «Kaminfegertäler» galten das Verzasca- und das Maggia-Tal sowie das Centovalli und dessen italienische Fortsetzung, das Vigezzo-Tal. Erst 1873 erliess die Tessiner Regierung ein Verbot, wonach Jugendliche unter 14 (später 12) nicht mehr als Kaminfeger ins Ausland gebracht werden durften.
Zu einer Massenerscheinung wurde diese Ausbeutung von Kindern ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der letzte Tessiner «spazzacamino» zog noch 1954 nach Mailand.
Zeugnis von dieser extrem harten Kinderarbeit legt nicht nur Tetzners Jugendbuch ab, sondern auch das Kaminfegermuseum in Santa Maria Maggiore (I). Dort findet der Hauptteil des Gedenktreffens statt, zu dem über 1000 Kaminfeger aus der Schweiz, Frankreich, Deutschland, Italien, Holland, Kanada und den USA erwartet werden.
Quelle: news.ch